Fliegenfischen

Fliegenfischen mit der Fliege


Guter Wurf

Der wohl größte Reiz, die Kunstfliege zu fischen, liegt in der urwüchsigen Landschaft und der Anziehungskraft ewigschöner Gewässer - der oftmals grandiosen landschaftlichen Bühne, auf der sich das Fischen mit den Miniaturkunstwerken vollzieht, die als Imitationen dem Leben nachgeschaffen wurden. Man denke sich, wie der Fliegenfischer watend im seichten Wasser des Forellenbaches steht und spielerisch die Leine schwingt und die Fliege sanft vor dem Ring einer gerade eben gestiegenen Forelle serviert - während der Bach mit seiner klaren Forschheit sich fast unbemerkt durch die von Fels begrenzten Wiesen schlängelt. Oder die ins Bild gerückte Bergkulisse, vor der ein reißendes Wasser wutgrollend durch seine tiefgefräste Rinne jagt, jedes Hindernis über die Jahrtausende hinweg zernagend. Dabei so ehrfurchtgebietend machtvoll, dass kein Angler es wagen dürfte, seinen Fuß in das undenkbar alte Gewässer zu stellen!

Und der Angler selbst? Er hat viel zu lernen! Die technische Seite - die Montage von Rolle und Rute, Schnur und Vorfach und Zusammenstellung eines reichhaltigen Ködersortiments - ist nur der kleinere Teil. Das wichtigste: er muss lernen, zu beobachten! Er muss die Fischarten bereits im Wasser unterscheiden - nicht nur, um die Schonzeiten einzuhalten! Bereits der erste Schritt ans Ufer gilt dem Aufspüren der Beute durch Beobachten des Wassers, wobei eine Polaroidbrille die Spiegelungen auf der Oberfläche weitgehend beseitigt und dadurch ermöglicht, einzeln am Grund stehende Fische zu erkennen und die Arten zu unterscheiden.

Wie verhalten sich die Fische? Stehen sie zwischen Quellmoosbüscheln versteckt, um sich nur gelegentlich durch aufblitzendes Silber und mit einem schnellen Flossenschlag zu verraten, mit dem sie einer vorbeitreibenden Beute zusteuern? Wenn einzelne Fische steigen: um welche Fischart handelt es sich und nach welchen Insekten greifen sie? Zeigt sich der Zugriff als temperamentvoller, herzhafter Forellenbiß, der kräftige, weitlaufende Ringe hinterlässt oder als spitzmündiger, sanfte Äschenkuß, dem nur kleine Ringe folgen?

Und er muss lernen, die Vielfalt der Insekten durch ihr arttypisches Flugverhalten zu unterscheiden - erkennen, welche Insektenart gerade in Scharen schlüpft oder ihre Eier ablegt und damit heißhungriges Interesse der Fische auslöst. Er wird sich auch dafür interessieren, wie sich das Kleingetier zur Larve entwickelt und welches Leben es entfaltet, um ihr Dasein kunstvoll zu imitieren.

Schließlich beginnt er, schrittchenweise, sich der Kunst des Fliegenbindens anzunähern - spätestens, sobald er erfahren hat, wie es ist, wenn die Fische beharrlich nach einem Muster steigen, das sein Sortiment nicht enthält und seine Köder ignorieren! Wie schön wäre es, sofort am Ufer in der Lage zu sein, das entsprechende Muster herzustellen! So vereint das Fliegenfischen drei große Leidenschaften: Angeln, Insektenkunde und Fliegenbinden.

Die ersten Schritte sind getan - der Angler hat sein Gerät montiert und am Bach einen Fisch mit gutem Maß ausgemacht. Die Polaroidbrille, die ihm geholfen hat, die Oberfläche zu entspiegeln und die Fische an ihren Standorten zu beobachten, schützt nun ebenso wie sein Hut die Augen vor schädlichen Reflexionen des scharfen Sonnenlichtes und vor fehlgeleiteten Fliegenhaken. Die Watstiefel ermöglichen ihm, in das Wasser zu steigen und sich von hinten, gegen die Strömung watend, an einen Fisch heranzupirschen. Da der Fisch mit dem Kopf gegen die Strömung steht und diese den Schall von ihm wegträgt, hat der Angler gute Aussicht, unentdeckt zu bleiben.

Nach langer Beobachtung durch seine Polaroidbrille weiß er, um welche Fischart es sich handelt. Schon der Standort gibt einige Anhaltspunkte: Bachforellen halten sich gern in ufernahen Unterständen zwischen Wurzelwerk oder in Gumpen auf, während Regenbogner mitten in der Strömung unter der Oberfläche entlangstreifen, Äschen sich in tiefen Rinnen zwischen Quellmoosbüscheln verbergen und Döbel es lieben, im Rudel im offenen Freiwasser vor Hindernissen zu lauern.

Aufmerksam beobachtet der Angler, nach welcher Insektenart die Fische greifen. Erscheint diese Art in Massen, ist es wenig sinnvoll, den Fischen etwas anderes anzubieten, denn sie widmen sich dieser Beute mit völliger Ausschließlichkeit und alles andere bleibt unbeachtet! Steigen die Fische nach Insekten an der Oberfläche - z.B. bei einem Massenschlupf oder bei der Eiablage, dürfte es dem Angler mit etwas Geschicklichkeit gelingen, ein auf dem Wasser vorbeitreibendes Insekt zu greifen und zu untersuchen. Ein entsprechendes Muster der passenden Größe präsentiert er trocken oder nass - wie erforderlich.

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Bevor er seine Trockenfliege serviert, bedenkt er, dass die Äsche jedesmal zum Grund zurückkehrt, bis sie nach einem neuen Bissen steigt. Der Köder wird daher mit 2 bis 3 Meter Vorhalt angeboten. Sobald sie die Fliege sieht, lässt sie sich ein wenig mittreiben, bis sie dann blitzartig zugreift. Eine Forelle dagegen wird vom Vorhalt verschreckt, da sie die über ihr hinwegtreibende Schnur entdeckt, muss also direkt angeworfen werden. Für den Grund probiert er verschiedene Nymphen - u.a. eine der fängigen Goldkopfnymphen - bis sich der Erfolg einstellt.

Bedenken muss der Angler bei einem Biß, dass der Fisch die Täuschung durch die Imitation sofort bemerkt. Schnelle und eindeutige Bißerkennung sind folglich der wichtigste Schritt zum Erfolg, da er jeden Biß auf schnellstem Weg mit einem Anhieb beantworten muss. Besser einmal mehr anschlagen als einmal zu wenig!

Wie werden die verschiedenen Köder im Fließwasser angeboten?

1. Trockenfliege:

Wird gegen die Strömung, also stromauf geworfen und treibt dann auf den Angler zu, wobei die Schnur nach und nach aufgenommen wird, um den direkten Kontakt mit dem Köder zu halten. Einen Biß erkennt man am typischen Ring, der sich um den Köder bildet.

2. Nassfliege:

Wird stromab eingeworfen und gegen die Strömung ungleichmäßig schliddernd zurückgezupft. Darf auch schräg stromab geworfen werden. Unter Schnurspannung treibt sie ab und wird dann zurückgezupft.

3. Nymphe:

Wird stromauf geworfen und treibt auf den Angler zu. Der hinter dem Vorfach eingeknüpfte Bißanzeiger signalisiert den Zeitpunkt für den Biß. Die Nymphe darf auch einige Meter am Angler vorbeitreiben und dann an der Schnur gehalten werden, wobei sie von der Strömung hochgedrückt wird und damit ein aufsteigendes Insekt ("Emerger") imitiert. Ist es nötig, die Nymphe sehr schnell sinken zu lassen, um sie einer Forelle in einem tiefen Gumpen anzubieten, empfiehlt sich ein geflochtenes, beschwertes Vorfach. Der Nachteil ist, dass das Feingefühl leidet und spitze Bisse schlecht zu erkennen sind.

4. Streamer:

Diese großen Köder, mit denen sich auch eingewanderte Hechte aus Forellenbächen herausfangen lassen, werden wie Naßfliegen stromab eingeworfen und gegen die Strömung gezupft. Der Streamer ist in allen Tiefen erfolgreich, wobei schon geringste Bewegungen genügen, ihn lebendig spielen zu lassen!

Und im See:

In den Salmonidenseen wachsen die Fische schneller als in den kalten, nahrungsarmen Flüssen. Und sie wachsen zu kapitalen Stücken heran: alle Nahrung wird in Wachstum umgesetzt statt in Bewegungsenergie, da der Fisch gegen keine Strömung anzukämpfen hat.

Typische Standorte gibt es in Seen zwar nicht, aber die Fische finden sich natürlich dort ein, wo die Nahrung ist, also nahe der Ufervegetation und der Einläufe von Bächen und Flüssen. So lohnt es sich, diese Zonen vor dem Fischen einige Zeit zu beobachten und auf die eindeutigen Anzeichen zu achten. Ringe können mit einer Trockenfliege direkt angeworfen werden. Hilft ein günstiger Rückenwind, wird die Fliege kurz vor den Ringen aufgesetzt und dann vom Wind ins Ziel getrieben

Lässt sich kein einzelner Fisch ausmachen, wird der Angler mit einer großen Nassfliege fächerförmig weite Wasserflächen absuchen. Nach dem Wurf wird sie etwas ruckhaft zurückgezupft - mit vielen längeren Pausen, in denen eine leichte Drift die Fliege treiben lässt und dabei die Hecheln bewegt, was der Angler gelegentlich durch leichtes Wippen der Rutenspitze unterstützt.

Kanadasee

Fliegenschnüre

Das Wurfgewicht des Fluganglers ist die Schnur, da keinerlei Beschwerung, sondern nur die leichte Fliege an der Leine hängt. Deshalb ist das Gewicht von Klasse zu Klasse steigend in die Schnur eingebaut. Zunächst ein Blick auf die Etiketten der verschiedenen Scbnurarten und ihre verschlüsselten Angaben:

Fly Line (Fliegenschnur)

DT (Double Taper = beidseitig verjüngt), WF (Weight Forward = Keulenschnur) oder ST (Shooting Taper) = Schußkopf AFTM l bis 17 (Gewichtsklasse l bis 17)

F (Floating = Schwimmend), I (Intermediate) oder S ( Sinking = Sinkend). Die sinkenden Schnüre gliedern sich in:

l. Sink Tip = Sinkende Spitze, bei der nur das vordere Ende sinkt und der Rest der Schnur schwimmt, 2. Intermediate = Neutral: schwebt schwerelos unter der Oberfläche, 3. Slow Sinking = langsam sinkend und 4. Fast Sinking = schnell sinkend.

Das mag für den Anfänger verwirrend klingen, aber die Wahl der ersten Schnur steht erfreulicherweise fest und alles weitere ergibt sich aus der späteren eigenen Praxis und den speziellen Verhältnissen, die sich an einem Gewässer vorfinden. Die Allround-schnur des Flugfischers und erste Schnur für den Anfänger ist eine schwimmende DT und passend zur ersten Rute eine AFTM 5 oder 6, also eine Schnur mit der Bezeich-nung DT 5 F: beidseitig verjüngte, schwimmende Schnur in der Gewichtsklasse 5. Die DT-F ist die vielseitigste Schnur und sie läßt sich einem breiten Spektrum ver-schiedenster Verhältnisse anpassen: das Gewicht und damit die Sinkgeschwindigkeit einer Nymphe, die immer am Grund angeboten wird, lässt sich durch Einbinden von mehr oder weniger Bleidraht steuern. Die Sinktiefe lässt sich über die Länge des Vorfaches und durch sorgfältiges Entfetten des Vorfachmonofils regel.

Die Farbe der Schnur dient nur dem Angler, um die Schnur bei wechselnden Lichtverhältnissen beobachten zu können. Nach zwei bis drei Angeltagen sollte die Schnur in Fließrichtung eingeworfen und völlig abgespult werden, damit sie in der Strömung ausdrehen kann und der Drall, der sich bei Benutzung nach und nach zwangsläufig bildet, aus der Leine genommen wird.

Es wird gelegentlich behauptet, eine Keulenschnur ließe sich weiter werfen als eine DT - dies stimmt nur für den absoluten Neuling! Schon nach kurzer Zeit (z.B. nach einem Wochenendseminar in einer Fliegenfischerschule) wirft man die DT ebenso weit und es bleiben nur die Nachteile der WF, z.B. die geringere Eignung für teils erforderliche Trickwürfe.

Der weit verbreiteten Empfehlung, den hohen Anschaffungspreis der Fliegenschnur zu halbieren, indem man die Schnur wendet und das hintere Ende einsetzt, bevor

man eine neue kauft, darf leider nicht gefolgt werden! Im Gegenteil dazu ist vor dieser Praxis zu warnen. Da das hintere Ende selten benutzt wird, ähnelt die Schnur nach einiger Zeit so sehr der Form eines Korkenziehers, dass sie sich kaum noch strecken wird und sie daher unbrauchbar ist. Als weit schwereres Übel lösen sich durch längeren Gebrauch die Weichmacher aus dem PVC - die Schnur wird porös und ein Wechsel kündigt sich durch poröse Oberfläche und verminderte Schwimmfähigkeit an, da an den brüchigen Stellen Wasser bis in die geflochtene Seele eindringt.  Ein Wenden der Schnur kann allerdings über den Angeltag retten, wenn man am Wasser plötzlich bemerkt, dass die Schnur unbrauchbar geworden und keine Reserveleine zur Hand ist.

Als Nachschnur wird geflochtenes Backing oder eine geflochtene Meeresschnur (Dacron) mit 20 bis 30Ibs Tragkraft verwendet.

Fliegenvorfach

Das Vorfach für den Flugangler kann entweder in einer Länge von 2.25 m bis 3 m als Fertigprodukt gekauft werden oder es wird aus einzelnen Teilstücken verschieden starker Monofilschnüre selbst geknüpft. Es verjüngt sich von 0.50 mm herunter bis je nach Einsatz zwischen 0.10 mm für allerfeinstes Forellenfischen und 0.25 mm für starke Salmoniden. Die Verjüngung hilft, dass sich das Vorfach beim Ablegen streckt und in voller Länge auf das Wasser legt. An das dünne Ende, die so genannte “Spitze", wird die Fliege geknüpft. Für Trockenfliegen werden im Handel fertig angebotene,' knotenlos verjüngte Vorfächer eingesetzt, an deren Ende die feine Monofilspitze mit der Fliege geknüpft wird.

Die Spitze muss von Zeit zu Zeit durch einen mit Geschirrspülmittel getränkten Lappen gezogen werden, um sie zu entfetten und wieder sinkend zu machen - auf der Ober-fläche liegend würde sie die Fische vergrämen.

Die Gesamtlänge des Vorfaches richtet sich nach den Verhältnissen: bei stärkerem Gegenwind verkürztes Vorfach, in tiefen Gewässern, bzw. Gumpen muss es je nach Tiefe verlängert werden, um den Grund zu erreichen. Wenn das Vorfach mit einem speziellen Verbinder an der Hauptschnur befestigt wird, der den Durchmesser der Schnur kaum verstärkt, darf das Vorfach länger als die Rute sein. Das Keschern der Beute bereitet dann keine Schwierigkeiten, da das Vorfach bis zur erforderlichen Verkürzung auf die Rolle gespult werden kann.

Praxistip: Bei Wind kann es durch leichte Fehler in der Wurftechnik zu “Windknoten" in der feinen Spitze kommen. Dies sind einfache Überhandknoten, die sich ungewollt einschleichen und die die Tragkraft erheblich verringern, so dass der nächste Fisch unweigerlich durch Schnurbruch verlorengehen wird. Außerdem wird das Vorfach beim Nymphenfischen durch Berührung mit Steinen im Laufe der Zeit aufgerauht. Das bedeutet, es muss nach einigen Würfen sorgfältig zwischen zwei Fingern geprüft und bei Beschädigung ausgewechselt werden

Kanadahaus

Fliegenruten

Die Fliegenrute ist an ihrem typischen Erscheinungsbild zu erkennen: Der am unteren Ende des Handteils angebrachte Rollenhalter und damit nach unten verlagerte Schwerpunkt zur Entlastung des Handgelenks. Da sie stundenlang in Bewegung gehalten wird, ist geringes Gewicht entscheidend. Kohlefaser ist leicht, belastbar bei höchster Elastizität und Schnellkraft und lässt bei der Verabeitung eine exakte Dosierung der Aktion zu. Kohlefaser ist also das ideale Material einer guten Fliegenrute. Während die älteren Glasfiberruten eine relativ weiche, parabolische Aktion mit weichem Anhieb und guter Dämpfung der Fischfluchten besaßen, haben die modernen Kohlefaserruten generell eine straffere, schnelle Aktion. Einen guten Kompromiss zwischen Wurfgenauigkeit und Nachgiebigkeit im Drill bietet die semiparabolische Aktion.

Das Handteil besteht aus Kork und kann zwei grundsätzliche Formen aufweisen: die sich nach vorn verjüngende Zigarrenform und American Standard mit einem Wulst am vorderen Ende. Diese Formen sind an die beiden möglichen Griffhaltungen angepasst, die beim Werfen der Fliegenrute üblich sind. Die Zigarrenform unterstützt die so genannte “Zeigefingerhaltung", bei der der ausgestreckte Zeigefinger oben auf dem Kork liegt. Diese Haltung erlaubt eine sehr genaue Führung der Rute, eignet sich aber nur für Schnüre bis Gewichtsklasse AFTM 7, da die volle Last auf dem Finger ruht. Der American Standard ermöglicht die stabilere "Daumenhaltung", die mit festem Griff die sichere Führung auch schwerer Schnüre erlaubt.

Die Kraft der Rute muss für ein optimales Verhältnis beim Wurf dem Gewicht der Schnur entsprechen. Das ideale Wurfgewicht ist oft als Doppelwert auf der Rute angegeben: z.B. AFTM 3/4 für eine leichte Äschenrute oder AFTM 5/6 für eine mittlere Forellenrute. Ruten mit Angabe eines Doppelwertes werfen oft besser mit einer Schnur des niedrigeren Gewichtes, also mit Gewichtsklasse 5 bei der Rute 5/6. Da dies allerdings nicht bei allen Ruten so ist, sollte es bei der Wahl der Rute getestet werden. Für einen Angler, der seine erste Rute kauft, wäre es empfehlenswert, einen erfahrenen Flugangler als Ratgeber an seiner Seite zu haben oder ein Fachgeschäft mit verbürgt kompetenter Beratung aufzusuchen. Ruten bis AFTM 10 werden als Einhandruten gebaut, da sie für leichtgewichtigere Beute ausgelegt sind. Schwere Modelle sind als Lachsruten für den zweihändigen Einsatz ausgelegt: unter der Rolle erlauben sie durch Stecken oder Schrauben den Ansatz einer Griffverlängerung, die als “Fighting Butt", also Kampfgriff bezeichnet wird. Für das leichte Fliegenfischen auf Forellen und Äschen mittlerer Größe werden Ruten der Klassen 4 bis 6 eingesetzt. Da dies die Fische sind, mit denen es der Angler am häufigsten zu tun haben wird und da es sich als Anfänger mit einer leichten Ausrüstung einfacher lernen lässt, sollte die erste Rute in diesem Bereich liegen. Später, nach ausreichend eigener Erfahrung und Kenntnis, kommt eine Zweitrute in Betracht, die bis zu 3 Klassen stärker sein darf, also AFTM 7 bis 10, um es auch mit größeren Fischen aufnehmen zu können. Einhandruten sollten nicht länger als 2.80 m sein, um Kopflastigkeit zu vermeiden. Schwere Lachsruten werden bis zu einer Länge von 14 Fuß eingesetzt (z.B. in Schott-land oder Irland), können aber im Extremfall für sehr große Flüsse bis über 5 m lang sein (z.B. in Norwegen). Grundsätzlich gilt, dass etwas länger eher günstig ist, da sich der Anhieb dosierter setzen lässt und Ufervegetation sicherer überwerfen wer-den kann. Und Trickwürfe gelingen mit einem längeren Hebel ebenfalls besser. Kurze Ruten um 2 m Länge sind in Fachkreisen als “Zahnstocher" bekannt. Sie werden in den leichten AFTM-Klassen in kleinen Gewässern mit starker Ufervegetation einge-setzt, wo das Werfen einer längeren Rute behindert ist. Kurzgeteilte Reiseruten mit 6 bis 7 Teilstücken zum Stecken haben eine straffe und kräftige Aktion und bedeuten eine sehr brauchbare Alternative für Angler, die nicht in der Salmonidenregion wohnen und nur bei Reisen Gelegenheit haben, ein Salmonidengewässer zu besuchen. Und auf jeden Fall sind sie einer Teleskoprute für diesen Zweck vorzuziehen! Es ist empfehlenswert, sich schon bei der ersten Rute das beste Stück zu kaufen, das man sich leisten kann. Lieber eine gute als zwei Ruten eingeschränkter Qualität, weil kaum zu befürchten ist, dass bei jemandem, der einmal mit dem Fliegenfischen begonnen hat, diese Leidenschaft bald erkalten könnte und auch weil eine Rute miserabler Qualität bald mit den wachsenden Fähigkeiten des Anglers an ihre Leistungsgrenze kommt und nicht mehr befriedigt, wodurch dann ein Neukauf zwingend würde!

 

Fliegenrollen

Aufgabe der Fliegenrolle ist es, die überschüssige Schnur und Nachschnur, die beim Drill eines starken Fisches als Schnurreserve dient, das so genannte “Backing", aufzunehmen. Die Rolle besteht aus einer auf den Rollenfuß montierten Grundplatte, dem Käfig, der je nach Modell offen oder geschlossen sein kann und aus der Spule. Eine Übersetzung besitzt sie nicht.

Da sie leicht sein muss, werden hochwertige Modelle aus modernen “High-Tech-Materialien" wie verschiedenen , Aluminiumverbindungen, Titan und Magnesium gebaut. Billigere Rollen werden oft aus Kohlefaser oder Kunststoff gefertigt oder gegossen. Eine Bremse ist nur selten nötig, da sich die meisten Fische mit der Schnurhand halten lassen. Daher wird beim Kauf oft empfohlen, darauf zu verzichten. Aber wenn sie gebraucht wird, hängt der “Fisch des Lebens" am anderen Ende der Leine und es ist zu bedenken, ob der (kräftige) Mehrpreis für ein zuverlässiges, ruckfreies Bremssystem nicht doch lohnend wäre.

Auch bei den Rollen ist die AFTM-Klasse angegeben, so dass es keine Schwierigkeit bereitet, zur Rute die passende Rollengröße zu finden. Eine Besonderheit sind die automatischen Fliegenrollen, die durch einen eingebauten Federmechanismus die freie Schnur aufspulen. Ihr großer Nachteil ist das zu hohe Gewicht, weshalb man ihnen in der Hand von Könnern kaum begegnen wird.

Praxistip für die Füllung von Standardschnur DT: zuerst die Fliegenschnur aufspulen, dann Backing anknoten und füllen bis kurz unterhalb der Käfigstege. Dann die gesamte Füllung abnehmen und mit dem Backing voran wieder aufspulen - so wird die richtige Füllmenge gefunden, ohne etwas von der teuren Fliegenschnur zu verlieren!

 

Werfen

Das Werfen der Flugschnur auch nur in den wichtigsten Stilen darzustellen, sprengt den Rahmen dieser Einführung. Nachfolgend aber dennoch einige Anmerkungen zum Thema. Es ist zu empfehlen, sich die Grundkenntnisse des Werfens durch Teilnahme an einem der in der Fachpresse angebotenen, nicht sehr teuren Wochenendkurse in idyllischer Umgebung zu verschaffen oder sich von einem erfahrenen Angler einweisen zu lassen. Durch Probieren ohne Anleitung erreicht man zwar bald eine gewisse Weite und Zielsicherheit - es schleichen sich aber auch unbemerkt Fehler in den Wurfstil ein, die die Weite der Würfe drastisch reduzieren und die sich bei nachträglicher Korrektur nur schwer wieder abgewöhnen lassen! Zur Wahl des richtigen Wurfes: Ist der Fisch an seinem Standort erkannt, muss sich der Angler entscheiden, welcher Wurf den Köder sicher und unauffällig im Ziel landen lässt - Normalwurf oder Sidecast - oder sind Trickwürfe wie Rollwurf, Schlangenwurf, Bogenwurf nötig? Und wo ist der günstigste Standort? Manchmal reicht ein Schritt zur Seite, um sich ein besseres Wurffeld zu verschaffen!

Wichtig auch die Wurfökonomie: mit möglichst wenig Aufwand so viel wie möglich erreichen. Die Schnur so langsam wie möglich werfen, um ihren Flug genau kontrollieren zu können - den richtigen Zeitpunkt des Wendens zwischen vor und zurück, Größe und Form der sich hinter dem Vorfach bildenden Schlaufe oder auch die dosierte Annäherung an eine Lücke in der Ufervegetation, durch die die Schnur geführt werden soll oder für eine kurzfristige Richtungskorrektur, falls plötzlich ein aufsteigender Fisch seinen Standort verrät. Durch zu schnelle Schwünge wird dies verhindert und die Schnur kann sich bereits in Ästen verheddert haben, bevor eine Korrektur des Wurfes möglich ist. Unnötige Leerschwünge sollten vermieden werden, da die Fliege nur fängt, solange sie im Wasser ist!

Der schnelle österreichische Wurfstil hat sich aus dem früheren Gebrauch von Seidenschnüren entwickelt und sollte damals helfen, die Schnur im Flug von Tropfwasser zu befreien, was durch die modernen Materialien nicht mehr nötig ist. Häufig hört man die Devise “High Speed - High Line", also schnelle Schwünge - hohe Schnurführung. Nur ist es bei schnell geführter Schnur schwierig, die Pausen zwischen Vor- und Rückschwung genau einzuhalten und gelingt dies nicht im richtigen Bruchteil einer Sekunde, verabschiedet sich die Fliege auf Nimmerwiedersehen, indem sie mit Schallgeschwindigkeit anzeigendem Peitschenknall die Schallmauer durchbricht und mit ihrem dabei entwickelten Tonnengewicht das feine Vorfach sprengt. Auch eine langsame Schnur lässt sich hoch führen, dabei allerdings mit sehr viel besserer Kontrolle, was gerade auch dem Angler ohne 30 Jahre Wurfpraxis das Leben erheblich leichter macht. Ein Profi mit jahrzehntelanger Erfahrung wird selbstverständlich jeden gewünschten Wurf in jeder denkbaren Geschwindigkeit vorführen und jede Variation wird kinderleicht aussehen. Er wird die besten Argumente für seinen bevorzugten Stil ins Feld führen und es wird sich wunderbar einleuchtend anhören. Aber dann alleingelassen öffnet sich dem Neuling plötzlich der Himmel mit Problemen, von denen der Profi mit all seinem Können natürlich nichts ahnen lässt!

 

Kleine Fliegenauswahl

Der Flugangler setzt Imitationen der Wasserlebewesen ein, die sich in die folgenden Gruppen gliedern:

1. Trockenfliegen

2. Naßfliegen

3. Nymphen und Larven

4. Streamer

5. Reizfliegen

Eng verbunden mit der Kunst des Fliegenfischens ist die Kunst des Fliegenbindens, die für viele Flugangler einen großen Teil der Freude an ihrem Hobby birgt. Das Binden setzt eine genaue Kenntnis des Insektenlebens und der verschiedenen Entwicklungsstadien vom Ei bis zum flugfähigen Insekt voraus und der Lernprozess wird neben dem Angeln eine weitere, lebenslang sich entwickelnde Liebhaberei erschließen.

Um sich den Anfangsgründen dieses Feldes ohne (kostspielige) Reibungsverluste durch typische Missgriffe des Anfängers zu nähern, ist dem interessierten Neuling die Teilnahme an einem Fliegenbindekurs dringend zu empfehlen. Um ihm diese Mühe zu versüßen, sei versichert, dass es mehr als nur ein Vergnügen ist, einem Könner bei der Arbeit zuzusehen und unter seiner sachverständigen Anleitung selbst die ersten Wunderwerke zu zaubern! Dies allerdings erst als zweite Stufe der Entwicklung, denn für den Anfang ist es völlig hinreichend, sich im Fachhandel mit einer kleinen Auswahl fertig gebundener Fliegen zu versorgen. Hierfür sei empfohlen, sich jeweils in der Nähe des Wassers, das man befischen will, mit den passenden Mustern zu versorgen, denn ein kompetenter Fachhändler kennt seine umliegenden Gewässer genau und weiß, welche Muster in der jeweiligen Jahreszeit und Wetterlage am fängigsten sind.

Als Ersatz für verlorene oder beschädigte Fliegen empfiehlt es sich, für jedes Muster mindestens ein bis zwei Fliegen in Reserve zu haben. Jedes der Grundmuster, die das erste Sortiment bilden, sollte auf drei bis fünf verschiedenen Hakengrößen vorrätig sein, da die Ködergröße vom Frühjahr mit den größten Mustern über die Saison bis zum Herbst bei gleichbleibenden Mustern stetig abnimmt:

Frühjahr - Forelle: 8 - 10, Äsche: 14 - 16 / Sommer - Forelle: 12 - 16, Äsche: 16 - 18 Herbst - Forelle: l6 - 18, Äsche: 20 - 22

Lebenskreislauf der Eintagsfliege

Die voll entwickelte Nymphe steigt zur Wasseroberfläche und schlüpft als Subimago engl. "Dun" aus ihrer Larvenhaut.

Bei trockener Witterung können die Flügel der Fliege noch innerhalb der Larvenhaut austrocknen, so dass sie in ihrem eigenen Gehäuse gefangen ist und ertrunken von der Strömung abgetrieben wird. In diesem Stadium wird sie engl. Stillborn genannt. Wenn ihr der Schlupf gelungen ist, sitzt die nahezu fertige Fliege als Subimago mit lochaufgerichteten Flügeln zum Austrocknen auf der Wasseroberfläche, die sie verlässt, sobald die Flügel völlig ausgehärtet sind.

Nach ihrem ersten Flug zum Land verwandelt sich die Subimago durch eine zweite Häutung in das fertige, geschlechtsreife Insekt, nun Imago (engl. "Spinner") genannt, das sich sofort für die Befruchtung einen Partner sucht. Die befruchteten Imagoweibchen kehren zum Wasser zurück, um auf der Oberfläche ihre Eier abzulegen und dann zu sterben. Als engl. Spent Spinner treiben sie tot mit der Strömung ab und der Lebenszyklus entwickelt sich in den Eiern aufs neue.

Trockenfliegen

Trockenfliegen werden auf dem Wasser schwimmend angeboten und imitieren Insekten im Subimago-Stadium oder Spinner, die zur Eiablage gekommen sind. Die Schwimmfähigkeit erhält die Trockenfliege in ihrer geflügelten oder ungeflügelten Form durch die vielen borstigen, gespreizten Hecheln. Nach einem Biß wird sie durch vorsichtiges Spülen gesäubert und durch einige Luftwürfe getrocknet. Zusätzlich kann sie gefettet werden, um die Schwimmfähigkeit zu fördern. Bei sehr gut gebundenen Fliegen ist das allerdings nicht nötig.

Eine Variation der Trockenfliege sind Imitationen von unabsichtlich auf das Wasser geratenen Landinsekten wie z.B. der Palmer als Imitation verschiedener Raupen, die von den Ästen der Uferbäume fallen.

Nassfliegen

Nassfliegen werden eingesetzt, wenn die Nymphen aufsteigen und im Oberflächenfilm des Wassers hängenbleiben und ihren Schlupf vollziehen. Auch die tote Spent kann mit Nassfliegen imitiert werden. Da aber die toten Fliegen nur geringen Nährwert besitzen, ist diese Art des Fischens nicht sehr bedeutend. Im Gegensatz zur trockenen durchdringt die Nassfliege die Oberfläche aufgrund ihrer weicheren, nach hinten gebogenen Flügel und Hecheln. Durch das typische Erscheinungsbild der Flügel sind die beiden Arten leicht voneinander zu unterscheiden.

Nymphen

Nymphen werden am Gewässergrund angeboten. Auffällig ist ihr deutlich schlichteres Erscheinungsbild, mit dem sie sich von den markanten Mustern der trockenen und nassen Fliegen unterscheiden - meist nur ein Kopf mit kurzen Hecheln, kurzer und kräftiger Körper und eventuell zwei bis drei Schwanzfäden. Als von Sommer bis Herbst äußerst erfolgreich haben sich in den letzten Jahren die Goldkopfnymphen als Imitationen der Köcherfliegenlarven (engl. "Sedge") erwiesen, deren glänzender Messingkopf einen starken Reiz ausübt. Der Kopf aus massivem Metall sorgt außerdem für das nötige Gewicht, um die Nymphe schnell absinken zu lassen.

Während die Trockenfliege nur während der kurzen Schlupfzeiten fängt (der berühmte “Abendsprung"), fängt die Nymphe den ganzen Tag - natürliche Nymphen bilden die Hauptnahrung der Fische.

Besonders große Exemplare der Bachforelle steigen nicht mehr nach Fliegen auf der Oberfläche, da der Aufwand nicht lohnt - es sei denn, es würden sich die großen Steinfliegen oder Maifliegen zeigen, die Happen mit ausreichendem Nährwert bieten. Beide Arten sind bei uns aufgrund der Verschmutzung der Natur allerdings selten geworden. Bemerkenswerterweise lohnt es sich allerdings dennoch, diese beiden Fliegen zu ihrer Schlupfzeit anzubieten - die Fische scheinen sich trotz des seltenen Auftauchens der Originale an sie zu erinnern.

Streamer

Streamer imitieren Beutefischchen großer Salmoniden wie Koppen und Elritzen. Diese großen Kunstfliegen auf Haken der Größe 4, 6 oder 8 werden eingesetzt, um kapitale Salmoniden, aber auch Hechte, Zander und Barsche zu verführen. Um den Köder zügig zum Grund zu bringen, werden die Streamer an Sinkschnüren, bzw. sinkender Spitze angeboten - weill sie besser geführt werden können, je geringer ihr eigenes Gewicht ist.

Lachsfliegen

Reizfliegen (auch Lachsfliegen genannt) sind sehr große und auffällige Fantasiemuster, die mit ihrem Farbreiz verführen. Für den Fang größer Salmoniden, besonders Lachs, und anderer Raubfische.

 

Autor: Vincent Kluwe ( von den Bergen bis zur See )

Berater: Wolfgang Fabisch
 

   Wolfgang Fabisch              Nürnberger Str. 45                 90542 Eckental                     Tel 09126 288640                Fax 09126 288643                             Copyright:  Wolfgang Fabisch

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