Steelhead Fliegenfischen in Kanada Teil zwei

Wie die Kanada Tour weiter ging


Teil zwei der Kanada Tour zum Fliegenfischen auf Steelhead

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Die Fischerei:

Vor Ort werden Sie feststellen, daß die meisten Einheimischen mit einer Sink Tip Leine und ziemlich großen Fliegenmustern stromab fischen. Das ist allerdings nicht meine Fischerei. Ich bevorzuge das Nymphenfischen stromauf, mit einem langen, in einer Stärke durchgehenden Vorfach. Als grobe Regel, Gewässer bis 30 m Breite, Schnurklasse 7, breitere Schnurklasse 9. Am Anfang der Fliegenschnur ein Bissanzeiger, der allerdings durch die Rutenringe durch passen muss!! Vom Bissanzeiger bis zur Nymphe, je nach Gewässer Tiefe und Geschwindigkeit, 4 - 8 (ja acht! ) m Vorfach. Dieses wieder angepasst an das Gewässer in den Stärken 0,25 - 0,30 oder 0,35. Dann eine Nymphe Größe 4 - 8, mit einem Messing - oder Tungsten Kopf, ca 5mm Durchmesser und eineinhalb Lagen Blei. Die Köpfe in der Farbe Gold, Schwarz, Silber oder Kupfer. Es ist äußerst empfehlenswert mit einer solchen Montage drei Monate vor Reisebeginn Übungen zu beginnen. Wenn Sie das erst in BC probieren möchten, könnte das der teuerste Kurs Ihres Lebens werden. Mit diesem System wie bei uns auf Forellen oder Äschen stromaufwärts fischen.

Fritz mit Steelhead

Eine andere Variante ist das Fischen mit der Trockenfliege. Dabei wird zwischen zwei Möglichkeiten unterschieden.

Trocken stromab.

Die Ausrüstung wie gehabt, allerdings ohne Bissanzeiger und mit verjüngtem Vorfach. Die Vorfachlänge beträgt 3 - 4 m, bestehend aus einem konischen Teil, gedrillt, 2 - 3 m und einer Spitze 0,30er oder 0,35, 1 - 1,5 m. Die Fliegen # 2 - 6, sehr gut schwimmend. Das allein reicht aber nicht aus, die Verwendung eines Riffle Hitch, ein spezieler Kopfknoten, ist ein Muss. Anders bekommen Sie die Fliege auf Dauer nicht zum Schwimmen.

Serviert wird schräg stromab bis querab, mit einem nachfolgenden Schnur Mending. Das Ziel ist es, der furchenden Fliege die richtige Geschwindigkeit zu geben. Diese können Sie über die Größe des hinter der Fliege in der Oberfläche enstehenden V abschätzen.

Eine Schenkellänge von ca 20 cm ist goldrichtig. Bei einem Biss unbedingt den ersten Anschlag Reflex unterdrücken, d.h. mit etwas Verzögerung anschlagen. Geignet für diese Fischerei sind Gewässer Partien mit leichter bis stärkerer Strömung. Langsam fließendes Wasser sowie Weißwasser ist eher nicht geeignet.

Trocken stromauf
Der Aufbau der Ausrüstung entspricht der Trocken stromab Methode, wobei ich dazu tendiere den Spitzenteil des Vorfachs etwas zu verlängern. Diese Art des Fischens ist für mich die Königsdisziplin auf Steelheads. Gefischt wird wieder wie bei uns auf Forellen oder Äschen, stromauf servieren und dann die Fliege in der Dead Drift abtreiben lassen. Der Anbiss ist oft sehr vehement und ich gebe gerne zu, das ich bei meinem ersten Erlebnis dieser Art beinahe die Fliegenrute habe fallen lassen, vor Schreck. Allerdings hatte ich auch schon einige Male die Situation, in der das Auftauchen der Steelhead mit dem Nehmen der Fliege in einer durchgehenden, gleichmässigen Bewegung zu verfolgen war. Der absolute Übertraum.
Verwendete Muster sind Wulff Flies, Irresestible, Palmer und Köcherfliegen in den Größen 4 – 6. Die Verwendung eines weißen Flügelmaterials ist beim Fischen ungemein hilfreich.
Für beide Arten der Trocken Fischerei bietet sich auch die Zweihandrute an. Damit Sie am Schluß nicht sechs oder acht verschiedene Ruten dabei haben müssen, würde ich die gleiche Ausrüstung wie eingangs für den Thompson erwähnt, empfehlen.
Tatsache ist, so schön die Trockenfischerei auch ist, daß Ergebnis wird im Vergleich zur Nymphenfischerei deutlich nachlassen. Sollten Sie allerdings eingeschworener Trocken Purist sein, nur zu. Ich kann auf 21 tägige Urlaube zurück schauen in denen ich nicht eine einzige auf Trocken erwischt habe. Dagegen stehen Tagesresultate von bis zu 10 Steelheads auf Trocken, stromauf!

Nachdem Sie nun Ihre vielleicht ersten Gehversuche auf Steelheads hinter sich gebracht haben, ist es Zeit zur Weiterfahrt. Das nächste Ziel ist der Kispiox mit der gleichnamigen Ortschaft. Von Smithers bis Kispiox sind es ca 130 km, keine allzu große Sache. Seit Prince George sind Sie auf dem Yellowhead Highway, auch als Highway 16 bekannt, unterwegs. Dieser führt am Ende bis Prince Rupert an der Westküste. Diesem folgen Sie von Smithers aus bis New Hazilton, 75 km von Smithers entfernt. Dabei wird die Ortschaft Moricetown mit dem Canyon passiert. Nehmen Sie sich etwas Zeit für Fotos. Manchmal kann man auch zuschauen wie die Indianer Fische fangen. Achso, bezeichnen Sie die Indianer vor Ort bloß nicht als Indianer. Natives oder First Nations wird viel lieber gehört. Das uns so vertraute -Indianer- ist eher ein Schimpfwort.

In New Hazilton geht es recht vom Highway weg nach Kispiox. Gleich beim abbiegen sehen Sie die Hinweisschilder auf Kitwanga, einem Indianerdorf das restauriert wurde. Ein Besuch ist, wenn es die Reisezeit erlaubt, empfehlenswert. Nach einigen weiteren Kilometern eine einspurige Stahlbrücke über ein unglaubliches Tal. Stellen Sie das Fahrzeug vor oder nach der Brücke ab um die Aussicht zu bewundern. Versuche diese Aussucht während des überfahrens der Brücke zu genießen haben schon böse geendet.

Kanada Natur

Direkt am Ortsbeginn von Kispiox überquert eine Brücke den Fluss Kispiox. Eine gute Gelegenheit den Wasserstand und die Sichtigkeit zu überprüfen. Wenn ein Fischer Erfahrungen am Kispiox hat, kann er auch bei getrübten oder hohem Wasser fangen. Bei einem Erstbesuch ist es meiner Meinung nach verschwendete Zeit und Geld. Der Kispiox ist wie der Bulkley ein Class 2 Gewässer. Die Lizenz kann in einem Steelhead Camp erworben werden. Dieses wird von einer Östereichischen Familie betrieben. Diese ist in Kispiox bekannt und der Weg dorthin kann Ihnen beschrieben werden, Entfernung von Kispiox ca 20 km. Ab Kispiox befahren Sie eine Gravelroad, eine Schotterstraße. Geschwindigkeiten über 60km/h können ins Auge gehen. Die Straße folgt ständig dem Fluss. Auf Höhe des Steelhead Camps gibt es einige sehr gute Gewässerabschnitte. Übrigens ist der Kispiox meiner Meinung nach der Fluss, der die größten Steelheads produziert.

Pick up für Jet Boot

Unser nächstes Ziel ist die Stadt Terrace. Sie ist 130km von Kispiox entfernt. Während der Fahrt auf dem Highway 16 Richtung Westen, haben Sie die meiste Zeit den Skeena River im Blick. Kommen Sie aber bitte nicht auf die Idee, einfach irgendwo unterwegs anzuhalten und Ihr Glück mit der Fliege zu probieren. Der Skeena ist in einigen Bereichen frei zu befischen, in anderen aber nur mit einer classified water Lizenz. Machen Sie sich in Terrace in einem der Angelgeschäfte schlau, was wo erlaubt ist. In Terrace teilt sich der Skeena und umfliesst die Insel Ferry Island. Auf dieser sind einige Abstellplätze für Wohmobile, zum Teil mit Wasser und Stromanschluss. Wenn Sie dem Highway 400m weiter Richtung Westen folgen, finden Sie auf der linken Seite eine Dumpstation. Dort kann das Abwasser des Wohnmobils entsorgt werden. Stromaufwärts der rechte Arm des Skeenas am oberen Ende der Insel ist ein absoluter Hotspot. Einem meiner Freunde ist es dort gelungen, eine 25 Pfund Steelhead auf Goldkopf Nymphe zu fangen.

Jet Boot gelandet

Deswegen sind Sie aber nicht nach Terrace gefahren. Der Hauptfluss ist der Copper. Diesen überquert man kurz bevor Terrace erreicht ist. Für mich ist der Copper einer der schönsten Flüsse überhaupt. Seien Sie nicht zu enttäuscht, wenn ein Blick von der Copper Brücke trübes Wasser beschert. Meistens ist der Clore, der etwa 35 km stromauf einmündet, für diese Trübung ( Gletscherwasser ) verantwortlich. Oberhalb dieser Einmündung beginnt auch die für mich interessanteste Fischerei. Um dorthin zu gelangen, biegt man von Terrace kommend etwa 200 m vor der Brücke rechts in eine Holzfäller Straße ein.  Dieser folgen Sie, bis sie den Clore überqueren. Dann noch etwa 500 m, dass Fahrzeug abstellen und loslegen. Achtung: Wir sind diesen Weg schon öfter mit dem Wohnmobil gefahren und haben uns dafür so manches Mal einen Vogel zeigen lassen. Es können Ihnen immer Holzlaster entgegen kommen, die beladen keine rechte Chance haben rechtzeitig zu bremsen. Seien Sie bitte äußerst aufmerksam auf dem Weg zu Kilometer 35. Von dort aus stehen Ihnen ca 12 km Wasser mit traumhaften Pools und schnelleren Strecken zu Verfügung. Wichtig, bei Niedrigwasser immer wieder mit der Trockenfliege stromauf probieren. Eines meiner Highlights war der Fang zweier 86cm Steelheads innerhalb einer Stunde mit der Trockenfliege. 2007 konnte ich nicht eine trocken fangen, wurde aber mit zwei Zwanzigpfündern auf Nymphe, wieder innerhalb einer Stunde, mehr als entlohnt.

Pension in Smithers

Längere Regenfälle oder Gewitterschauer können den Copper, oft auch unter der Bezeichnung - Zymoetz - zu finden, unbefischbar machen. Eine herbe Enttäuschung kann Ihnen dadurch erspart bleiben, dass Sie vorab bei einem der Angelgeschäfte in Terrace anrufen. Die Telofonnummern können Sie von jeder Telefonzelle beim Operator erfahren und sich evtl. auch gleich verbinden lassen. Haben Sie dafür bitte ausreichend 25 Cent Stücke zur Hand, einfach die Null wählen und schon gehts los. Ich tätige diesen Anruf immer von Smithers aus. Sollten Sie richtig gute Bedingungen am Copper vorfinden, verbringen Sie ruhig 3 - 4 Tage an diesem Fluss, der immer für positive Überraschungen gut ist

Bevor ich es vergesse, bei der Steelhead Fischerei reden wir bei wilden Fischen von absolut Catch and Release. Für Fische aus der Zucht gibt es teilweise Abweichungen von dieser Regel. Diese Fische erkennen Sie daran, dass dem kleinen Fisch der in den Fluss entlassen wird, vorher die Fettflosse abgeschnitten wird. Gott sei Dank sind auch für diese Fische die Quoten soweit reduziert, dass keiner mehr auf die Idee kommen kann sich mit diesen den Urlaub zu finanzieren. Überhaupt, wenn Sie Fisch oder Fischfilets in irgendeiner Form mit nach Deutschland bringen möchten, erkundigen Sie sich vor Reiseantritt über die erlaubten Mengen (von Deutschland zur Einfuhr erlaubt)!

Lesen Sie im dritten Teil meiner Kanada Geschichte wie die Sache zu Ende ging.

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